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„Wir müssen mit der Zeit gehen“: Sandra Ringwald über Karriereende und Zukunft des Skilanglaufs

Aktuelles - 17.04.2019

Die beste deutsche Sprinterin Sandra Ringwald kehrt dem Skilanglauf-Zirkus den Rücken. Ende März verkündete die 28-jährige Schwarzwälderin ihr Karriereende im Leistungssport. Mit dem Skiweltcup Dresden spricht sie über ihre persönliche Zukunft. Aber auch über die Zukunft des Skilanglaufs und wie der Sprint am Königsufer diese Zukunft stärkt.

Skiweltcup Dresden: Liebe Sandra, vor rund zwei Wochen hast du dein Karriereende im Skilanglauf bekannt gegeben. In einem Interview hast du am nächsten Tag gesagt, es fühlt sich noch nicht wirklich anders an. Wie ist das heute und wie ist es dir in den vergangenen Tagen ergangen?

Sandra Ringwald: Es fühlt sich tatsächlich noch immer nicht real an. Gerade wirkt das für mich noch wie der normale Saison-Rhythmus. Ich hatte vor eineinhalb Wochen meinen letzten Wettkampf, dass Training würde erst  Ende April beziehungsweise Anfang Mai wieder anfangen. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt werde ich die Veränderung dann auch erst richtig merken. Schließlich habe ich diesen Rhythmus von Wettkampf, Regeneration und Trainingsbeginn die letzten 14 Jahre gelebt. Ich bin sicher, dass ich zukünftig schon mal etwas wehmütig werden könnte. Aber im Moment fühlt es sich gut an und ich freue mich auf was Neues.

Skiweltcup Dresden: Du fängst noch in diesem Monat an zu studieren, richtig? In welchem Bereich werden wir dich zukünftig sehen?

Sandra Ringwald: Ja ich beginne nun ein Studium für Grundschullehramt in meiner Heimat Freiburg. Gelegentlich werde ich auch den Skinachwuchs bei uns im Schwarzwald trainieren. Ganz weg bin ich also nicht.

Skiweltcup Dresden: Wie wird dein Leben sonst aussehen? Basketballer Dirk Nowitzki sagte nun bei seinem Karriereende, er wolle zum ersten Mal Pizza und Eis zum Frühstück essen und quasi vollkommen anders leben, als es Leistungssportler tun. Hast du diese Gedanken auch?

Sandra Ringwald: Haha nein, erstmal nicht. Bisher habe ich an meinem Lebensstil nichts geändert. Aber mal sehen, wie ich in die neuen Aufgaben der neuen Sandra so rein rutsche. Es dauert ja auch recht lange, bis in dann wirklich Lehrerin bin. Da kann viel passieren. 

Skiweltcup Dresden: Du warst neun Jahre im Weltcup aktiv, auf Ski wahrscheinlich seitdem du stehen konntest. Wie schwer war es, sich nun davon zu trennen?

Sandra Ringwald: Es war schon nicht einfach und natürlich auch keine spontane Entscheidung, die ich einfach so gefällt habe. Ich hatte die Gedanken schon länger in meinem Kopf und habe mir meinen Abschied wohl überlegt. Aber für mich allein ist es definitiv die richtige Entscheidung, jetzt erstmal eine andere Richtung einzuschlagen. Natürlich werde ich sportlich immer aktiv sein und der Sache immer erhalten bleiben - nur eben nicht als Leistungssportlerin.

Skiweltcup Dresden: Zwei Mal Skiweltcup in Dresden, zwei Mal warst du dabei - welche Erfahrungen hast du in Dresden gemacht und wie ordnest du den Weltcup für dich ein?

Sandra Ringwald: Der Skiweltcup in Dresden war für mich eine richtig coole Sache. Nach Düsseldorf und den Wettbewerben am Rhein nun wieder einen City Sprint im eigenen Land zu haben ist fantastisch. Es ist ein großartiges Event. Ich werde zwar als Sportlerin jetzt nicht mehr dabei sein, aber vielleicht ja als Zuschauerin irgendwann. Ich weiß, dass der Skiweltcup in Dresden auch bei allen anderen Sportlern immer gut angekommen ist und sie immer gern an die Elbe reisen. Es macht wahnsinnigen Spaß dort zu laufen. Einfach diese Atmosphäre und wie das ganze Event aufgezogen ist - das ist schon echt spitze.

Skiweltcup Dresden: Du warst auch unser Leitmotiv, hast dich quasi auf dem gesamten Weltcup-Gelände, in ganz Dresden und gar im ganzen Freistaat Sachsen riesengroß bewundern können. Wie war das für dich?

Sandra Ringwald: Ja das war schon witzig. Viele haben mich daraufhin gefragt, ob ich denn aus Sachsen komme. Einige waren auch verwirrt, da ich ja aus dem Schwarzwald und damit aus einer ganz anderen Ecke stamme. Aber halb so wild, ich hab dann immer eine coole Antwort parat gehabt. Aber natürlich genial, dass ich in einer so schönen Stadt wie Dresden diese Ehre hatte und auf allen Plakaten zu sehen war. Das war echt etwas Besonderes in meiner Karriere.

Skiweltcup Dresden: Die Sprintwettbewerbe liegen dir. Wie ist also deine Meinung zu City Sprints wie hier bei uns in Dresden?

Sandra Ringwald: City Sprints sind sehr sehr wichtig für unseren Sport. Sie machen den Skilanglauf wieder attraktiv und wir können dort uns selbst, aber eben auch unsere Sportart wahnsinnig gut präsentieren. Es geht dabei so richtig zur Sache und dadurch bringen City Sprints den Skilanglauf wieder in die Medien und was das wichtigste ist: an die Menschen heran. Viele wissen nicht, wie Langlauf-Weltcups überhaupt ablaufen oder finden die Sportart unspannend. Dem wirken wir mit City Sprints entgegen. Natürlich sind die Strecken teilweise nicht so selektiv wie bei anderen Weltcups. Aber das ist kein Nachteil, weil die Rennen viel kompakter und damit sehenswerter sind. Es gibt Rangeleien, manchmal auch Stürze. Es ist alles viel enger beieinander, auch durch die nicht ganz so steilen Berge. Ich erinnere mich da gern an den Mount Dresden. Es ist einfach Spannung pur und das macht die City Sprint so gut für unseren Sport. 

Skiweltcup Dresden: Die Strecke des Skiweltcup Dresden 2020 wird noch kompakter. Eine Runde beträgt etwa 650 Meter, die Wende wird vor der Augustusbrücke liegen. Insgesamt wird die Strecke noch anspruchsvoller. Wie beurteilst du das aus sportlicher Sicht?

Sandra Ringwald: Das ist schön zu hören, ich befürworte das! Wettkampfleiter Georg Zipfel ist ja auch Schwarzwälder und ich kann mir gut vorstellen, dass er einige weitere spannende Ideen bezüglich der Strecke hat. Ich finde es richtig gut, wenn die technische Anforderung steigt und einen noch größeren Teil einnimmt. Das bringt viel mehr Action mit und das ist wiederum schön für die Zuschauer, die in Dresden echt immer super mitgefiebert haben. Aber natürlich auch für uns Sportler sind solche Veränderungen spannend. Wir alle müssen da einfach ein bisschen mit der Zeit gehen und verstehen, dass solche kompakten Events gut für den Skilanglauf sind. Sie machen den Sport in allen Schichten, besonders auch beim Nachwuchs, präsenter. Wir brauchen das, um unsere Sportart wieder stark zu machen.

Skiweltcup Dresden: Du warst die beste deutsche Sprinterin im Team. Wie glaubst du, geht es nach deinem Abschied mit dieser Disziplin aus deutscher Sicht weiter?

Sandra Ringwald: Ich kann da erstmal nur für die Damen sprechen. Aber wir haben im deutschen Team wirklich viele gute Sprinterinnen, da kommen echt viele Mädels nach. Natürlich hinterlasse ich zunächst ein Loch im Team, aber ich denke, wir haben viele gute Raketen am Start. Wenn ich da an Victoria Carl, Laura Gimmler oder auch Anne Winkler denke, die ja auch selbst aus Sachsen stammt. Da kommen einige starke Damen auf uns zu. Das braucht natürlich etwas Geduld, aber es geht voran und ich selbst werde auch zukünftig immer voll dabei sein. Ich werde mit den Mädels mitfiebern und hoffe, dass sie ferner auch öfters mal Einen raus hauen werden. 

Skiweltcup Dresden: Als Zuschauerin sehen wir dich also wieder. Vielleicht auch 2020 in Dresden?

Sandra Ringwald: Ja natürlich gern! Wenn es zeitlich und terminlich passt komme ich gern vorbei!  

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